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Donnerstag, 28. April 2022

»Romantik Eine deutsche Affäre« von Rüdiger Safranski



Die Romantik, der Inbegriff des deutschen Geistes, ist eine kunstübergreifende Kunstrichtung mit einer eigene Geschichte, die in Vergessenheit geraten ist. Die Romantik, die als literarische Epoche ca. von 1790 bis 1850 währte, ist neben dem Idealismus der Inbegriff des deutschen Geistes Sie ist in aufgeklärten Zeiten an den Rand gedrängt worden.

Es ist die Epoche der Romantik, die für die Entfesselung des Genies stehen, für den Aufbruch ins Grenzenlose, für die Lust am Experiment. Rüdiger Safranski holt sie für den Leser ins Zentrum zurück. Er beschreibt die Romantik als Epoche, ihre Zeitgenossen Tieck, Novalis, Fichte, Schelling, Schleiermacher oder Dorothea Veit. Und er erzählt die Geschichte des Romantischen, die bis heute fortlebt. Sie handelt von der Karriere des Imaginären und führt über Heine, Richard Wagner, Nietzsche und Thomas Mann bis in die Gegenwart - die Biographie einer Geisteshaltung. Was die Romantiker auszeichnet, ist ihre Haltung gegen das Nützlichkeitsdenken der Industriegesellschaft und den Rationalismus der Naturwissenschaftler, die Mittelalterverehrung und die tiefe Frömmigkeit.

Rüdiger Safranski macht uns mit seinem Werk »Romantik - Eine deutsche Affäre« glanzvoll mit der Romantik und dem Romantischen vertraut. Sein grandioses Buch verbindet philosophische Analyse mit anekdotischer Anschauung derart gekonnt, dass wir Seltenes vor uns haben: spannend erzählte deutsche Geistesgeschichte.

»Romantik - Eine deutsche Affäre« ist ein Parforceritt durch die deutsche Geistesgeschichte auf 415 Seiten. Wenn im biographischen Parforceritt durch die deutsche Geistesgeschichte Hegels Philosophie und Langemarck, das Dionysische und die politische Romantik, Wagners Tristan und Hermann Hesses Morgenlandfahrer alle im selben Schiff des „Romantischen” unterwegs sein sollen, dann geht das nur, weil dieses Schiff schon im ersten Teil seiner Reise die begriffliche Unschärfe an Bord genommen hat. Denn dieser erste Teil verkürzt die Geschichte der Romantik im wesentlichen auf nur ein Motiv: auf die Innerlichkeit, auf die theoretische und ästhetische Inneneinrichtung des romantischen Menschen.

Safranski hat in seinem Werk die Romantik zu einer „deutschen Affäre“ erklärt und den Fokus auf ihre Verdunkelungstendenz gesetzt: vom deutschen Tiefsinn der Kunstreligion hin zu deutschem Irrsinn der Nazi-Ideologie. Matuschek will hier in angemessener Akribie differenzieren. Angemessen meint: Sein Buch ist leserfreundlich geschrieben. Doch es verzichtet auf eine völkerpsychologische Großthese. Matuschek kommt eher kontraintuitiv in die Gänge. So wird die Romantik nicht als das große Andere zum Geist der Aufklärung verstanden, sondern als ihr „zweiter Impuls“. Sie ist die stilistische Antwort auf die intellektuellen Großbaustellen, die das Aufklärungszeitalter hinterlassen hat.

Literatur:

Romantik - Eine deutsche Affäre
Romantik - Eine deutsche Affäre
von Rüdiger Safranski

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